Zu spät und nicht zu spät

Als Papst Franziskus vor vier Tagen aufbrach, um den Irak zu besuchen, hatte er eine doppelte Mission vor Augen.

Zum einen war er besorgt um die Situation der Christen in Mesopotamien und den anderen Ländern der Region. Immerhin stammte Abraham selbst aus der Stadt Ur, welche im heutigen Irak liegt, und das Land spielte eine bedeutende Rolle in der Anfangszeit des Christentums.

Traditionell ein multikonfessionell geprägtes Land, haben die letzten Jahrzehnte dem Irak und seinen Minderheiten einiges abverlangt. Lag der Anteil der Christen 1948 noch bei 12%, so ist er bis zur amerikanischen Invasion 2003 auf 6% abgesackt. Der daran anschließende Bürgerkrieg und insbesondere der Aufstieg der Dschihadisten, allen voran des IS, haben diesen Anteil weiter schrumpfen lassen. Heute liegt er unter 1%, etwa 150.000 Christen sind geblieben.

Seine zweite Mission bestand darin, den Dialog zwischen den großen Religionen fortzuführen. Dazu traf er sich mit Großayatollah Ali as-Sistani, dem führenden Geistlichen der Schiiten im Irak und bedeutende Bezugsperson für Schiiten weltweit. 2019 hatte Franziskus sich zu diesem Zweck bereits mit Ahmad al-Tayyib getroffen, einer Autorität innerhalb des sunnitischen Islams. Auch jüdische Geistliche besuchte er bereits. An einem multikonfessionellen Gottesdienst jedoch, welcher in Ur stattgefunden hat, nahmen leider keine Vertreter des Judentums teil, welche im Irak mittlerweile auf eine zweistellige Zahl dezimiert wurden.

Es bleibt die Hoffnung, dass die Kinder Abrahams in Zukunft häufiger zusammentreffen und ihre vielfältigen Differenzen besser zu behandeln vermögen. Dass dies im Lande seiner eigenen Väter geschied, dafür ist es womöglich schon zu spät.

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