Die USA im Nahen Osten

Die USA haben eine lange, mittlerweile sehr wechselhafte Beziehung zum Nahen Osten aufgebaut. Doch wie konnte es passieren, dass ein so weit entferntes Land sich derart stark in diesem Raum engagiert? Und wie sieht es damit in der Zukunft aus?

I. Teil: Die USA treten auf

Nachdem sich Großbritannien, Frankreich und auch Israel aus dem Sinai zurückziehen mussten, bestand kein Zweifel mehr an der neuen Hackordnung im Nahen Osten. Die Zeit der europäischen Kolonialreiche war vorbei, der Kalte Krieg die neue Wirklichkeit, mit den USA und der Sowjetunion als deren Hauptprotagonisten. Das war 1956.

Die folgenden Jahrzehnte bestimmten die beiden Großmächte die Politik der Region, mit ihren jeweiligen Verbündeten vor Ort, mit wechselnden Vorteilen für jeweils eine Seite. Dies war das Paradigma bis zum Anfang der 90er Jahre, als die Sowjetunion plötzlich implodierte.

Nun schlug die Stunde der Supermacht USA. Ohne nennenswerte Konkurrenz bestimmten sie das weltpolitische Geschehen wie selten eine Macht zuvor, der Golfkrieg zeigte ihre Überlegenheit, der Friedensprozess zwischen Israel und Palästinensern ihren Glauben, die Welt nach ihrem Muster formen zu können.

Doch auf die Hybris folgte der Absturz.

Während die Verhandlungen im Heiligen Land unter den Wirren der Intifada begraben wurden, zielte ein Angriff ehemaliger Verbündete der USA direkt auf ihr Kernland und sorgten für allgemeine Panik innerhalb der Weltmacht. Dieser folgten der Afghanistan- und vor allem der Irakkrieg, welcher einen „Leuchturm der Demokratie“ erschaffen sollte, aber lediglich ein Land ins Chaos stürzten und den US-Gegner Iran stärkten.

Der Glaube an die USA als entscheidende Macht, welche im Nahen Osten die Ordnung sichern könne, erhielt einen heftigen Schlag. Dies galt im Ausland, aber vor allem auch für Amerikaner selbst. Warum sollten sie Soldaten in ein fernes, fremdes Land schicken, nur um dort den Angriffen von Terroristen ausgesetzt zu sein?

Die Idee der USA als weltumspannendes Imperium verblasste.

II. Teil: Die USA treten ab

Während die USA im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts alle Kräfte bündeln musste, um im „Broader Middle East“ ihre Kriege zu führen, stieg China allmählich zum neuen Gegenspieler der Amerikaner auf.

Obama reagierte auf diese Entwicklung und leitete den „Pivot to Asia“ ein, die strategische Neuausrichtung mit einem Fokus auf den asiatisch-pazifischen Raum. Der Nahe Osten stellte von nun an keine Priorität mehr da, vielmehr schien er beinahe lästig angesichst der weitreichenden Verpflichtungen, welche die USA nach wie vor in diesem Raum verankerte.

Doch um diesen Umschwung zu vollziehen und zugleich eine Position im Nahen Osten zu halten, mussten sie sich auf ihren Kontrahenten zubewegen. Die Verhandlungen zum sogenannten Iranabkommen bezüglich der Entwicklung von Atomwaffen sind das Resultat dieser Erkenntnis, aus Sicht der Demokraten sollte dies eine Art Schlussstrich darstellen unter all die leidvollen Verirrungen, welchen sie im vorangegangenden Jahrzehnt erlagen.

Auch wenn die Republikaner eine andere Politik beführworten, auch sie haben keinerlei Interesse gezeigt, sich militärisch einzusetzen. Diesen Umstand haben in den letzten Jahren der Iran, aber auch die Türkei und natürlich Russland ausgenutzt, um ihre Einflusssphären zu vergrößern. Die USA unterdessen sind nicht in der Lage, sich auf eine kohärente Nahoststrategie zu verständigen und scheinen gewillt, unter jeder neuen Administration ihre Ausrichtung neu zu überdenken.

Die ohnehin geschwächte Stellung der USA in der Region wird damit nur noch weiter eingeschränkt, und das womöglich auch stärker, als sie es ursprünglich geplant hatten. Die ersten Wochen unter Biden zeigen, dass die USA sich immer stärker Richtung Pazifik wenden, und dies auf Kosten der Golfregion. Andere Mächte werden dies zu nutzen wissen.

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