Der Suezkanal steht still

Seit Dienstagmorgen liegt die Ever Given quer im Suezkanal, einer der Hauptschlagadern des modernen Welthandels, und verursacht damit immer größeren Schaden für die Wirtschaft. Doch warum ist der Kanal so wichtig für die Weltwirtschaft?

Ein Kanal vernetzt die Welt

Fertiggestellt wurde der Suezkanal 1869, von der britisch-französischen Suezkanalgesellschaft, nachdem bereits seit Jahrhunderten verschiedene Pläne zu einem solchen Bau vorgelegt und wieder verworfen wurden. Der große Nutzen dieses Baus besteht in der Möglichkeit, einen direkten Seeweg vom Mittelmeer zum Roten Meer und damit zum Indischen Ozean zu schaffen, ohne den langen Umweg entlang des afrikanischen Kontinents.

Die Nutzungsrechte regelt bis heute die Konvention von Konstantinopel, welche 1888 von allen damaligen Großmächten unterzeichnet wurde und welche vorsieht, dass der Kanal jederzeit von Schiffen aller Staaten verwendet werden darf, was auch in Kriegszeiten gilt.

Die Suezkanalgesellschaft war es auch, welche den Kanal bis 1956 betrieb, ehe der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser diesen verstaatlichen wollte, um sein Land der britischen Einflusssphäre zu entziehen. Bei der darauffolgenden Suezkrise versuchten Großbritannien, Frankreich und Israel, die Wasserstraße zurückzuerobern. Daran wurden sie jedoch durch eine gemeinsame Intervention der Sowjetunion und der USA gehindert, weshalb der Kanal seitdem unter ägyptischer Kontrolle steht.

Nachdem Israel im Sechstagekrieg von 1967 die Sinaihalbinsel besetzte, wurde der Suezkanal zu einem Grenzstreifen und blieb für den internationalen Handel geschlossen, bis Ägypten 1975 wieder die Kontrolle über beide Ufer ausüben konnte.

Heute besitzt der Bau eine enorme Bedeutung sowohl für Ägypten als auch für den Welthandel, wie die globale Aufmerksamkeit auf die Schließung zeigt.

Ein Schiff blockiert die Welt

Im Jahr 2020 haben insgesamt fast 19.000 Schiffe den Suezkanal durchfahren, darunter knapp 30% des weltweiten Containervolumens und 12% aller weltweit verfrachteten Waren, ein Wert von 4,6 Mrd. Dollar täglich.

Derzeit ist noch unklar, wann der Kanal wieder „eröffnet“ werden kann, im schlimmsten Fall scheint das sogar noch einige Wochen dauern zu können. Erste Reederer schicken ihre Schiffe schon wieder auf die Route entlang des Kaps der Guten Hoffnung, eine Fahrt, welche etwa 10 Tage länger dauert als durch den Suezkanal.

Der Zeitpunkt dieser Störung ist dabei besonders prägnant. Ist die Weltwirtschaft doch gerade dabei, sich von den Folgen der Corona-Pandemie zu erholen und allmählich wieder auf Normalbetrieb zu schalten. Die Einwohner der wohlhabenden Industrienationen konsumieren wieder in großem Stil und benötigen neue Geräte für ihr pandemiegerechtes Leben, welche hauptsächlich im Osten des asiatischen Kontinents hergestellt wird. So werden auch die Schäden, welche diese Störung verursacht, auf 400 Millionen Dollar die Stunde geschätzt, dazu kommen noch starke Preisschwankungen, beispielsweise am Ölmarkt.

Auch für den ägyptischen Staat ist die ganze Affäre natürlich ärgerlich. Abgesehen von den direkten finanziellen Folgen, welche durch ausbleibende Einnahmen aus den Durchfahrtsrechten entstehen, leidet auch ihr Image als kompetenter Betreiber des Kanals.

In den zeitgenössischen Debatten ist viel von Resilienz die Rede, von der Aufgabe, die internationalen Abläufe widerstandsfähiger zu gestalten, eine Tendenz, welche durch Corona noch verstärkt wurde. So dürften verschiedene Akteure in Zukunft versuchen, die Abhängigkeit vom Suezkanal für ihren Handel zu verringern.

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