Eine weit entfernte Macht

Während das Zentrum der arabischen Welt gemeinhin in der Levante, in Ägypten oder der Arabischen Halbinsel ausgemacht wird, könnte ein Staat an den Küsten des Atlantik die anderen arabischen Staaten überflügeln.

Marokko

Marokko ist neben Ägypten wohl das einzige arabische Land, welches einen auf die eigene Nation bezogenen ausgeprägten Stolz besitzt, auch wenn ihre imperialen Traditionen, im Gegensatz zu denen Ägyptens, erst nach der Islamisierung des Landes einsetzten. Die Dynastie der Idrisiden war eine der ersten lokalen Dynastien der islamischen Welt, welche zudem noch sehr weit vom Ursprungsort der Religion entfernt liegt. Unter den Almohaden erstreckte sich das (Berber)-reich bis zur Cyrenaika und nahm erheblich Teile der iberischen Halbinsel in Anspruch. Die herrschende Dynastie der Alawiden ist bereits seit über 350 Jahren in dem Land an der Macht.

Heute ist das Land wohl das stabilste unter den drei Maghreb-Staaten, neben Marokko noch Algerien und Tunesien. Es scheint recht gut mit der Coronapandemie zurechtgekommen zu sein und zeigt in der momentanen Flüchtlingskrise, aber auch im Umgang mit der europäischen Führungsmacht Deutschland, dass es durchaus in der Lage ist, seine Position gegenüber anderen Staaten auszuspielen. Die Funktion als Kontrolleur der Flüchtlingsbewegungen von Afrika aus Richtung Spanien ist dabei von großer Bedeutung, was die europäischen Nationen auch genau wissen. Mit der weitergehenden Besetzung der Westsahara deutet das Land auch gewisse imperiale Ambitionen an.

Um innerhalb der muslimisch-arabischen Welt einen großen Einfluss einnehmen zu können, fehlt es dem Land jedoch in erster Linie an einer geeigneten geographischen Lage. So sind die Bevölkerungszentren der muslimischen Welt, die Heiligen Stätten des Islam, aber auch die geopolitisch bedeutendsten Punkte sowie die intellektuellen sowie wissenschaftlichen Zentren zu weit von Marokko entfernt, als dass dies nicht deren Stellung schwächen würde. Als Regionalmacht im Maghreb sowie in der Sahelzone und womöglich auch Westafrika ist aber durchaus zu rechnen. Es könnte auch zu einem der wichtigsten Ansprechpartner Europas auf dem Kontinent werden.

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