Das Mittelmeer der Antike

Michael Grant beschreibt in seinem Buch über die Mittelmeerkulturen der Antike die drei großen kulturgeschichtlichen Epochen der Antike, zunächst die frühen Hochkulturen, unter ihnen jene auf Kreta und natürlich die Ägypter, anschließend das Zeitalter des griechischen Glanzes und schließlich das Weltreich der Römer, welche bis heute die einzige Macht gewesen ist, welche das Mittelmeer politisch einigen konnte.

Neben vielen interessanten und lehrreichen Kapiteln über all die unterschiedlichen Länder, Herrscher, Intellektuellen und die Geschichten und die Kriege, welche diese alle miteinander in Verbindung setzten, sind es vor allem seine allgemeinen Erkenntnisse, welche das Buch so lesenswert machen. Als politisch interessierter Mensch erhält man ein deutlich besseres Verständnis für die Vorbedingungen in der Region, welche, insbesondere in der Levante, aber auch im Norden Afrikas, immer wieder zu neuen Konflikten führen. Wer sich mehr für die Kultur begeistern kann, versteht nun besser, weshalb es auch exakt die selben Regionen sind, welche immer wieder Neues zu erschaffen wagen, und wenn nicht, dann zumindest als ein Mittler funktionieren, welche Waren und Ideen von Ort zu Ort und Kontinent zu Kontinent überträgt. Und auch in theologischer Hinsicht, durch das Judentum, das Christentum sowie diverse Götterkulte aus dem Westen Asiens, hat diese Region die Welt und insbesondere den Westen stark beeinflusst.

Generell ist hier offenkundig, dass der Einfluss, welchen die Regionen in Asien und Afrika auf Europa hatten und bis heute haben, um ein Vielfaches größer ist als jener der Europäer auf die Asiaten oder Afrikaner. Dies wird heute, am Ende einer 500 Jahre währenden Hochphase des europäischen Kontinents und seiner Länder, oft vergessen. Angesichts der Dynamiken, welche unsere Welt von heute in die Zukunft drücken, dürften wir uns an diesen Umstand jedoch schon bald wieder erinnern.

Der Mittelmeerraum befindet sich derzeit in einer Phase großer Unruhe, viele seiner Anrainerstaaten befinden sich in Kriegen oder durchleben eine der vielen Revolutionen. Doch dabei gibt es auch eine ganze Menge Chancen. In dem Maße, in dem der Handel zwischen Europa und den Staaten Asiens sowie zwischen Europa und den Staaten Afrikas am Wachsen ist, wird auch das Mittelmeer am wachsen sein als Umschlagplatz für Waren und Ideen und seine alte Rolle als ein Zentrum des Weltgeschehens wieder einnehmen.

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