Wenn die Rufe verhallen

Angesichts der immer dramatischer anmutenden Situation im Land der Zedern mehren sich die Rufe nach staatlicher Unterstützung. Nicht nach Geld oder Essen, sondern nach dem Schutz durch das Militär. Das wiederum wird jetzt vom Ausland versorgt. Mit Geld und Essen.

Explosive Stimmung

Nachdem es in der nördlichen Stadt Tripolis zu Ausschreitungen in einer Apotheke kam, haben lokale Vertreter dieses Wirtschaftszweiges die Politik und das Militär aufgefordert, Soldaten zu schicken, um so die Situation unter Kontrolle zu halten. Und mit diesem Aufruf sind sie nicht die Einzigen.

So haben bereits mehrere Betreiber von Tankstellen nach Militäreinheiten vor ihren Geschäften gerufen. Angesichts der Benzinknappheit im Land ziehen sich die Schlangen vor den Tankstellen mitunter einige Kilometer in die Länge. Bei jenen in den Innenstädten verursachen sie häufig ein Verkehrschaos, das anschließend erst wieder in Ordnung gebracht werden muss. Zudem gab es mehrere heftige Auseinandersetzungen zwischen Kunden, welche an Treibstoff gelangen wollten.

Die Angst vor einem Krieg im Libanon

Das Militär befindet sich derzeit in einer ausgesprochen komplizierten Lage. In dem multikonfessionellen, multiethnischen Land ist das Militär einer der wenigen, wenn nicht der einzige bedeutende Akteur der libanesischen Gesellschaft, welcher im gesamten Land akzeptiert wird und auch überkonfessionel Mitglieder in seine Reihen aufnimmt.

Zuletzt jedoch häuften sich die Probleme. Wie auch für alle anderen Menschen im Land, leiden die Mitarbeiter und deren Familien unter der horrenden Inflation. Die Angst davor, dass Soldaten sich irgendwann Milizen anschließen werden, welche sie besser versorgen können, wächst.

Internationale Politik – und Essen

Nachdem Frankreich, gemeinsam mit Italien und der UNO, im Juni eine Geberkonferenz abgehalten haben, wurden eine Reihe von Staaten aktiv und haben Hilfen in unterschiedlichen Formen versrpochen.

Der bisher neueste dieser Helfer ist der Golfstaat Qatar, welcher monatliche Nahrungsmittellieferungen in Höhe von 70 Tonnen für das Militär ankündigte. Damit verfolgt das Land auch einen politischen Kurs, schreckt die Aussicht auf eine Erstarkung der mit dem Iran verbündeten Hizbollah doch viele Regierungen in der Region auf. Auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate werden daher noch aktiver werden.

Und die Einwohner des Libanons?

Die werden vorerst wohl keine andere Wahl haben, als sich an die immer neuen Zustände in ihrem Heimatland anzupassen. Auch wenn es beträchtliche Hilfsmaßnahmen aus dem Ausland auch für sie gibt, im Zweifelsfall nimmt man eine hungernde und revoltierende Masse eher hin als eine weiter aufgerüstete Hizbollah. Wenn das Militär bald an den Tankstellen und den Apotheken Wache halten sollte, werden einige wohl nicht mehr länger zögern und auch mit Gewalt ihre Rechte durchzusetzen suchen. Gegenüber wohlgenährten Militäreinheiten.

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