Auf dem Weg zur Kolonie – nur wessen?

Der Libanon kann nur schwerlich noch als vollwertiger Staat angesehen werden. Zu mächtig sind die einzelnen Milizen, zu desinteressiert die politische und ökonomische Elite. Das Ausland übernimmt mehr und mehr Funktionen innerhalb des Landes, NGOs, die UNO und die westlichen Nationen, Nachbarn aus Arabien, die Türkei und der Iran. Wo wird die Zersetzung dieses Staates einmal enden?

Ein merkwürdiges Schauspiel

In den letzten Tagen konnte im Libanon ein bemerkenswertes Schauspiel beobachtet werden. Da haben sich die Botschafter von Frankreich und den USA getroffen, um zusammen mit Vertretern aus dem Königreich Saudi-Arabien über die Zukunft des Landes zu diskutieren. Und die Vertreter aus dem Libanon? Fehlanzeige.

Niemand hat mehr das Gefühl, als könnten diese Menschen noch irgendeinen nennenswerten Beitrag leisten, um dem Land zu helfen. Um die Inflation zu stoppen, die Armee vor dem Verfall zu retten, oder auch nur eine Regierung zu bilden. Mit allem sind sie überfordert, an allem fehlt das Interesse.

So also schauen all die Mächte nun nach neuen Wegen, um ihre Vorstellungen von einer Zukunft für das Land der Zedern durchzusetzen.

Die Spieler

Der Iran unterstützt auch weiterhin die Hizbollah, wird aber wohl davor zurückschrecken, mit voller Gewalt nach der Führung in dem Land zu greifen. Zu groß wäre die Gegenwehr der Christen und Sunniten, zu schwer auch die Belastung, nun allein verantwortlich zu sein für dieses Land.

Frankreich und die USA als Vorreiter des Westens möchten neue Flüchtlinge vermeiden, das Land irgendwie am Leben erhalten und vor allem für Israel den Frieden bewahren.

Die Türkei wird versuchen, einerseits seiner neuen Rolle als Vormacht der Sunniten gerecht zu werden, wozu sie im Norden aktiv sein müssen, sowie einen Fuß im Konflikt zwischen Israel und dem Iran zu setzen. Denn wer weiß schon, welche Allianzen morgen existieren?

Saudi-Arabien scheint sich aus dem Land zurückziehen zu wollen, wird von Washington und Paris nun allerdings in eine andere Richtung gedrängt. Was für das Land dabei herausspringen könnte? Schwer zu sehen, dass es aus dem Libanon noch politischen Profit wird schlagen können. Vermutlich wird die „Belohnung“ daher auch an einem anderen Ort vergeben.

Und sonst so?

Syrien ist heute viel zu schwach, als dass es wieder einmarschieren könnte. Israel ist glücklich, solange die Hizbollah keinen Angriff startet, und da deren Schutzmacht Iran ein neues Abkommen mit den USA anstrebt und deshalb keinen Angriff starten wird, dürften sie zufrieden sein. Ägypten versucht sich wieder in der Außenpolitik, ist jedoch weit davon entfernt, eine bedeutende Rolle einnehmen zu können. Katar ist wie immer mittendrin, wie immer sorgt es für ein paar unruhige Gemüter, und wie immer wird es letztlich nicht entscheidend sein.

Kein Sieger – aber ein Verlierer

So ungewiss also die Zukunft ist, dass die libanesische Elite die Vorherrschaft in ihrem eigenen Land wird halten können, wird jeden Tag ein wenig unwahrscheinlicher.

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