AUKUS

Gestern haben die Regierungschefs Australiens, Großbritanniens und der USA, zur allgemeinen Überraschung, eine tiefergehende Kooperation angekündigt. Im Zentrum steht dabei die Ausstattung Australiens mit atomar betriebenen U-Booten, welche von den USA und Großbritannien produziert werden. Wenige Wochen nach dem NATO-Abzug aus Afghanistan stellt dies den ersten Schritt zur erwarteten Neuausrichtung der USA auf den Indo-Pazifik dar. Dieser Schritt kam jedoch nur auf Kosten eines alten, europäischen Verbündeten zustande. Wie wird sich dieses neue Bündnis auf die Welt auswirken?

Bei AUKUS, Australien, UK, und den USA, handelt es sich um drei führende anglo-amerikanische Staaten, welche im Pazifik Interessen verfolgen. Dies ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert.

Zunächst wird dabei nicht auf das Quad-Quartett zurückgegriffen, welches neben den USA und Australien auch Japan und Indien umfasst. Allerdings wird in den kommenden Tagen das erste Treffen dieses Bündnisses stattfinden, und neue, tiefergehende Vereinbarungen zwischen diesen Ländern sind dabei möglich.

Neuseeland und Kanada, wie die drei AUKUS-Staaten Mitglieder des Geheimdienstbündnisses Five-Eye, wurden offensichtlich nicht in diese Pläne eingeweiht. Während Kanada bei den US-Strategen im Bezug auf den Pazifik generell keine große Bedeutung beigemessen wird, scheint Neuseeland regelrecht überrumpelt worden zu sein. So hat die Premierministerin des Landes auch umgehend angekündigt, einem atomar betriebenen U-Boot keine Durchfahrtsrechte zu gewähren. Dies würde gegen seine bestehendenVerpflichtungen für eine Welt ohne Atomenergie verstoßen.

Was bei diesem Abschluss sehr deutlich wurde, ist die Bedeutungslosigkeit Europas in diesem neuen Kräftemessen im Pazifik. Frankreich wurden seine Grenzen deutlich aufgezeigt, die Europäische Union spielt in diesen ganzen Überlegungen fast überhaupt keine Rolle. Das die USA unter Biden damit nach dem katastrophalen Rückzug aus Afghanistan bereits das zweite mal seine europäischen Verbündeten vor den Kopf stieß, wird allmählich zur echten Belastung für das transatlantische Verhältnis. In Frankreich sprechen eineige bereits seit der größten bilateralen Krise seit dem US-Feldzug in den Irak 2003, welchen der französische Präsident damals eindeutig abgelehnt hat.

In seiner Reaktion auf das neue Abkommen hat Frankreich daher auch, wieder einmal, auf neue Anstrengungen seitens der Europäischen Union gedrängt. Diese jedoch ist seit Jahrzehnten unfähig, eine strategisch weitsichtige, geschweige denn militärisch erfolgreiche Politik zu verfolgen. Auch sind nicht alle Staaten der Union ernsthaft an einer solchen Politik interessiert.

In den nächsten Tagen werden noch weitere Schritte in Richtung einer, im besten Falle, neuen Sicherheitsarchitektur im asiatisch-pazifischen Raum, oder einer, im schlimmsten Falle, zunehmenden Konfrontation zwischen den USA und China folgen. Nach dem NATO-Rückzug aus Afghanistan wird die Zukunft nun im Osten ausgespielt.

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