Russland im Roten Meer

Zwischen dem Suezkanal und dem Bab el-Mandeb gelegen, stellt das Rote Meer eine der wichtigsten Gewässer dar für den internationalen Schiffsverkehr. Aufgrund der wachsenden Bedeutung dieses Raumes in den letzten Jahren versuchen nun die Großmächte, hier ihren Einfluss auszubauen. Darunter auch Russland, welches stets nach einem Zugang zu den Ozeanen bemüht ist.

Russland verbindet seine Position im Roten Meer traditionell mit seiner globalen Stellung als Großmacht. Da das Land trotz seiner gigantischen Ausmaße über keinen guten Zugang zu den wichtigen Weltmeeren, dem Mittelmeer, Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean, verfügt, versucht es diesen über Eroberungen oder Außenposten einzurichten. Ein weiteres gutes Beispiel für diese Strategie war die Angliederung der Krim für den Zugang zum Schwarzen Meer. Der Weg in den Indischen Ozean hingegen ist deutlich länger und durch Zentralasien versperrt.

Um Russland Einfluss in diesem Gebiet zu verschaffen, muss es zunächst im Schwarzen Meer agieren können (was seit 2014 durch den Krim-Hafen Sewastopol möglich ist), anschließend den Bosporus passieren (was durch den Vertrag von Montreux gewährleistet wird), das östliche Mittelmeer und den Suezkanal durchqueren, anschließend das Rote Meer und schließlich noch den Bab el-Mandeb. Es ist, zusammengefasst, also wichtig, als internationale Großmacht agieren zu können. Neben diesem Zugang zum offenen Ozean ist das Rote Meer ein bedeutender Schifffahrtsweg zwischen Asien und dem europäischen Kontinent, zudem eine der wichtigsten Transportrouten für das globale Ölgeschäft. Auch wenn dies kaum die umfangreichen Exporte Russlands selbst betrifft, beeinflusst es doch in erheblichem Maße den Weltpreis und wird damit auch für den Kreml wichtig.

All dies führt dazu, dass diese Region von großem Interesse ist für Moskau.

Aufgrund der eigenen Schwäche nach dem Zerfall der Sowjetunion war Russland lange Zeit kein wirklicher Faktor im Machtkampf um die Region. Dies änderte sich ab 2017, drei Jahre nach der Rückeroberung der Krim, bei einem Treffen mit dem sudanesischen Präsidenten Omar Al-Bashir. Dabei wurde über eine Kooperation der beiden Staaten in verschiedenen Sektoren diskutiert, darunter über einen Stützpunkt für die russische Marine direkt am Roten Meer. Nach Jahren der Verhandlungen allerdings steht heute nicht mehr als die Genehmigung zur Einrichtung eines Nachschubzentrums in Port Sudan, weit entfernt vom Indischen Ozean, dem eigentlichen Ziel Russlands. Dazu ist auch die Möglichkeit, diese Anlage militärisch aufzurüsten, nur begrenzt vorhanden.

Dies zeigt die Schwierigkeiten, mit welchen das Land nach der langen Abstinenz in der Region konfrontiert ist. So sind die wirtschaftlichen Beziehungen zu den Staaten in der Nachbarschaft nicht sehr stark entwickelt, lediglich im Verteidigungs-, Energie- und Bergbausektor gibt es eine engere Zusammenarbeit. So verfügt die russische Rüstungsindustrie über eine Vielzahl an Kunden im Nahen Osten und dem nördlichen Afrika. In Zukunft wird dazu die Nuklearenergie bzw. die Einrichtung von Atomkraftwerken in der Region durch russischen Firmen eine größere Rolle einnehmen. So könnte es dem Land gelingen, trotz einer relativ eindimensionalen wirtschaftlichen Ausrichtung Einfluss zu nehmen auf zwei der wichtigsten Sektoren dieser Staaten und damit seine Position auszubauen.

Und Russland ist auf seinen Einfluss in eben jenen Sektoren auch dringend angewiesen, möchte es in Zukunft wieder zu den bedeutensten Akteuren im Roten Meer zählen. Sollte es erfolgreich sein in diesem Streben, könnte es langfristig nicht nur seine Macht auf den Weltmeeren, namentlich im Indischen Ozean, ausbauen, sondern auch die Hegemoniestellung der USA angreifen, welche zu einem großen Teil auf seinem maritimen Fundament beruht. Sollte Washington  nicht mehr in der Lage sein, alleine oder mit Hilfe seiner Verbündeten den freien Handel auf den Weltmeeren zu gewährleisten, würde dies unweigerlich zu deren Ende als die dominante Weltmacht führen. Und das ist sogar von noch größerem Interesse für Russland als seine Position im Indischen Ozean.

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