Die NATO ist tot

Wenn es etwas gibt, was die aktuelle Krise in und um die Ukraine deutlich macht, dann ist es die komplette Irrelevanz des NATO-Bündnisses, dass sich in den vergangenen 30 Jahren von einem Verteidigungsbündnis zu einem reinen Machtinstrument des US-Hegemon gewandelt hat.

Aus Sicht eines Deutschen ist es schwer nachzuvollziehen, wofür der Westen, also die NATO und die Europäische Union, in der Ukraine eigentlich eintreten sollen. Angeblich ist es der russische Expansionismus, welcher den Frieden in Europa bedroht, weshalb der Handel mit dem Land heruntergefahren, Nord-Stream 2 beendet und das riesige Land auch noch aus dem Swift-System für den internationalen Zahlungsverkehr verbannt werden muss.

Dabei ist nicht schwer zu sehen, dass nicht einer dieser Punkte im deutschen Interesse liegt, und auch nicht im Interesse fast aller anderen europäischen Staaten. Dass die Gaslieferungen aus dem Osten für unsere Wirtschaft deutlich günstiger ausfallen als die Alternative vom anderen Ende des Atlantiks ist kein Geheimnis. Ebensowenig unsere Exporte im Bereich der Hochtechnologie zu unserem östlichen Nachbar. Und dass solche Geschäfte auch bezahlt werden müssen versteht sich ja von selbst.

Generell bestehen seit jeher besondere Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Durch ihre schiere Größe definieren sie spätestens seit 1871 das Grundgerüst der mittel- und osteuropäischen Ordnung, und ein schlechtes Verhältnis zwischen beiden endete fast immer in eine Katastrophe für den Kontinent. Dass die USA heute versuchen, beiden Staaten eine gemeinsame Annäherung nicht mehr zu ermöglichen, kann auf lange Sicht nicht funktionieren und wird sich für Washington als großer Fehler erweisen.

Da nach dem Ende des Kalten Krieges die Chance verspielt wurde, ein gemeinsames europäisches Haus von „Lissabon bis Vladivostok“ zu errichten und man stattdessen zu einer Politik der Ignoranz und schließlich Konfrontation zu Moskau wechselte, besteht heute die Eingliederung Russlands in eine europäische Sicherheitsarchitektur, in welcher die USA durchaus ihre dominierende Rolle hätten halten können, nicht mehr.

Die NATO ist ein überkommendes Gerüst eines Imperiums, dass seinen Zenit schon lange überschritten hat und nun seine Verbündeten zwingen will, die offenkundigsten Gegebenheiten der Geschichte und der Geographie zu ignorieren.

Doch eine solche Politik ist zum Scheitern verurteilt.

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