Riads Weg nach Beirut

Eine neue Initiative aus Saudi-Arabien soll dem gebeutelten Libanon dabei helfen, schneller eine neue Regierung bilden zu können, Reformen durchzuführen, Gelder aus dem Ausland zu erhalten und das Land vor dem Abgleiten in ein totales Chaos zu bewahren. Dabei ist die Beziehung zwischen beiden Staaten sehr ambivalent, und insbesondere eine mächtige Terrororganisation bereitet Riad große Sorgen.

Das saudische Dilemma

Wie soll jemand einem Land helfen, dessen Politiker sich durch Korruption bereichern auf Kosten der Bevölkerung, und dessen mächtigster Akteur in der Innenpolitik einen Feind darstellt für jenen, der seine Hilfe anbietet?

Saudi-Arabien befindet derzeit in diesem Dilemma, und es wird ein kompliziertes Unterfangen, daraus eine halbwegs kohärente Politik zu formen. In der Vergangenheit war das Land stets ein wichtiger Akteur im Land der Zedern, doch zuletzt ist der Einfluss merklich zurückgegangen. Dies lag auch an dem ungestümen Vorgehen des jungen Prinzen Mohammed bin Salman, welcher 2017 kurzerhand Premierminister Saad Hariri in einem Hotel in Riad gefangen hielt, offenbar, um ihn zum Rücktritt zu bewegen. Da sich das Land mit dieser Aktion letztlich selbst nur einen großen Schaden zugefügt hat, insbesondere was das Ansehen innerhalb der libanesischen Bevölkerung betrifft, musste es seither zurückhaltender agieren.

Doch neben diesen eigenen Unzulänglichkeiten stellt sich noch das Problem der Feinde innerhalb des Landes, namentlich die vom Iran gesponserte Hizbollah-Miliz, Teherans Speerspitze Richtung Jerusalem und Mittelmeer. Da diese schiitische Organisation mittlerweile der bedeutendste Spieler ist im politischen Mosaik des Libanon, wären zudem alle Gelder, die in dieses Land fließen können, auch der Hizbollah zugute gekommen. So wollte man dem Feind nicht auch noch durch das eigene Geld helfen, seine Position zu stärken.

Die beste unter schlechten Möglichkeiten

Nun allerdings scheint sich die Kalkulation der Saudis geändert zu haben. Wurde zunächst das Erstarken der Miliz durch Auslandsgelder befürchtet, scheint jetzt die Angst zu überwiegen, ein in Anarchie verfallender Libanon könnte Hizbollah sogar noch stärker werden lassen, als sie heute ohnehin schon ist.

So oder so, ein Land ohne Regierung ist für keines seiner Nachbarländer eine große Freude. Und in den letzten Jahren waren es nicht die Saudis, sondern der Iran, Türkei und Russland, welche aus dem Chaos in bestimmten Ländern ihre Vorteile ziehen konnten. Saudi-Arabien hingegen musste sich aus dem Jemen zurückziehen, insgesamt war der Einsatz dort eine schlimme Niederlage.

Ein Ausweg?

Eine kleines Fenster könnte sich öffnen, wenn man zugleich den Versuch unternehmen würde, die Hizbollah unabhängiger zu machen vom Iran. Eine ähnliche Strategie wird gerade auch mit Syrien ausprobiert, welches die arabischen Staaten wohl sehr bald wieder in ihren Reihen willkommen heißen. So werden derzeit immer mehr Staaten mit hineingezogen in den Sumpf von Beirut, ohne dass eine wirkliche Lösung der Probleme heute irgendwo in Sicht wäre.

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